Wer seid ihr?
Lumpenbrüder.
Hä?
Lumpenbrüder.
Was’ das für ein Name?
Hat sich so ergeben. Schöne Geschichte. Erzählen wir gern mal beim Bier.
Also was jetzt. Wer seid ihr?
Lumpenbrüder Productions. Besteht im Kern aus dem Autor Christian Hansen und dem Regisseur Laurent Gröflin. Daneben sind die Bühnenbildner Jörg Zysik und Chasper Bertschinger sowie die Schauspieler Endre Holéczy und Patrick Gusset ständige Mitarbeiter. Darüber hinaus besteht „Lumpenbrüder Productions“ aus einer Vielzahl freier Mitarbeiter z.B. Bernd Muss, unserem Hoftättowierer und -maler, Tammo Winkler, unserem Universalkünstler, Richard Henschel, Franziska Fuhrmann, Yoshii Riesen, Floriane Kleinpass, Daniel Bachmann, Viktor Buzalka und so weiter und so fort.
Aha. Und wie arbeitet ihr? Seid ihr so ein Regieteam oder was? Theaterkollektiv? Selbsthilfegruppe?
Wie gesagt: Kern = Hansen und Gröflin. Die beiden sind an allen Produktionen beteiligt, mal mehr, mal weniger im Vorfeld, aber beteiligt. Und verantwortlich entsprechend auch. Die Konzeptionierung ist Teamwork. Wer von den üblichen Verdächtigen Zeit, Lust und Ideen hat, beteiligt sich. Aus den Notizen dieser Besprechungen wird ein schriftliches Konzept, das, so wie später die Stücktexte, aus der Feder von Herrn Hansen stammen. Die Regie übernimmt in allen Fällen Herr Gröflin. Die Bühne machen Zysik oder Bertschinger. Schauspieler? Entweder solche, die wir schon kennen, oder aber gerne auch solche, die wir erst noch kennen lernen. Hauptsache, die Sache steht im Vordergrund und nicht irgendwelche eitlen Befindlichkeiten. Kunst ist schön und gut. Entscheidend für die Arbeit von Lumpenbrüder Productions ist jedoch, dass stets die Form dem Inhalt folgt. Unser Stil besteht in erster Linie darin, dem gewählten Thema, Text oder Stück gerecht zu werden. Es geht uns nicht um das etablieren einer ästhetischen Form oder eines visuellen, einfach wiedererkennbaren Stils. Es geht uns immer darum, dass sich Form und Inhalt möglichst nahe sind. Dass der Inhalt sich in der Form spiegelt und wiederfindet. Sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Wir wundern uns manchmal auch, was so auf der Bühne landet. Wir arbeiten nicht mit einer schubladisierten, vorgefertigten Meinung. Wir haben Fragen und Haltungen zu dem jeweiligen Thema oder Stück, begeben uns aber auf die Suche. Das scheint uns ebenfalls selbstverständlich. Ist es aber offenbar nicht. Die Entwicklung vor dem Probenstart ist ein gemeinsamer Prozess von Regie, Autor/Dramaturg und Bühnenbild/Kostüme, alle sind beteiligt auf der Suche nach den gemeinsamen Kerninteressen. Im Probenprozess interessiert uns die Haltung der Schauspieler zum Stück oder Thema. Ihre eigenen Ideen, Gedanken und Wünsche, Ängste und Vorbehalte. Theater ist eine Zusammenarbeit von Menschen. Eine unserer wesentlichsten Qualitäten ist mit Sicherheit, dass wir uns nicht hinter Konzepten verschanzen, sondern bereit sind, auf das einzugehen, was passiert – auf den Proben und in der uns umgebenden Welt.
Und warum arbeitet ihr nicht alleine? Als Regisseur, als Autor, das wäre doch einfacher wahrscheinlich?
Wir haben gut verteilte Aufgaben. Wir kennen uns, wir wissen, wie der andere arbeitet. Wir können uns aufeinander verlassen. Wir sind schneller und wendiger als unerfahrene Crews. Wir können zusammen Zweifeln und uns zusammen über Erfolge freuen. Jeder will Teil einer Band sein, oder nicht?
Habt Ihr das irgendwo gelernt oder ist das mehr so Selbstverwirklichungstheater?
Laurent Gröflin hat Schauspiel studiert an der „Ecole International de Théatre“ in Brüssel, danach Regie studiert an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst“ in Frankfurt. 2007 hatte er das Regie-Stipendium an der Was-Ihr-Wollt Akademie von Peter Zadek und Tom Stromberg.
Christian Hansen hat Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin studiert und hatte, ebenfalls 2007, das Autoren-Stipendium an der Was-Ihr-Wollt Akademie.
Alle anderen Schwestern und Brüder haben studiert, was sie tun: Schauspieler, Bühnenbildner, Musiker, Maler. Nicht, dass ein Studium garantieren würde, danach das Studierte zu beherrschen. Aber schaden tut’s auch nicht unbedingt, zu wissen, worüber man redet. Richtig lernen wird man eh nur, was man tut.
Und was wollt Ihr von uns?
Bei Euch produzieren natürlich. Zu Euch kommen, frisch rasiert natürlich, bei Euch ein Stück auf die Bühne bringen, und am Ende mit Bart und Kater wieder abziehen.
Wir machen keine Gastspiele.
Wir machen zwar Gastspiele, denn wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, Produktionen an verschiedenen Orten zu zeigen, aber das ist nicht unser Kerngeschäft.
Wie sollen wir wissen, ob eine LB Produktion an unserem Haus zu uns passt?
Wenn wir uns auf ein Stück oder ein Thema einigen, dann wahrscheinlich, weil es uns alle berührt und interessiert. Und weil der Inhalt an erster Stelle steht (siehe oben), haben wir ganz offensichtlich bereits mindestens ein gemeinsames Interesse.
Wir sind es nicht gewöhnt, mit Gruppen zu arbeiten. Wir arbeiten immer mit einzelnen Regisseuren.
Kein Problem. Wenn das so ist; stellen Sie sich einfach vor, dass Sie den Regisseur (Laurent Gröflin) anstellen und er dann seinen Dramaturgen oder Autor (Christian Hansen) und einen Bühnen/Kostümbildner (Chasper Bertschinger oder Jörg Zysik) mitbringt. Damit ändert ich eigentlich nichts mehr für Sie.
Eine Crew aus Berlin, das passt nicht zu uns, denn wir sind ein kleines Theater in der Provinz…
Wir arbeiten an vielen verschiedenen Orten, nicht nur an Brutstätten der Avantgarde, sondern auch in der Schwäbischen Provinz. Da die Form dem Inhalt folgt (siehe oben), werden wir auch (mit dem passenden Stoff) die richtige Sprache finden.
Wann sollten Sie die Finger von LB lassen?
Wenn Sie Angst haben vor Neuem. Wenn Sie kontrollsüchtig sind. Oder eitel. Wenn Sie die NPD wählen. Damit möchten wir lieber nichts zu tun haben. Wir machen nur Arbeiten an Orten, an denen wir auch wirklich sein wollen. Nur Stücke oder Themen, zu denen wir eine Haltung haben. Ist ja auch unsere Lebenszeit, die dabei draufgeht.
Referenzen?
Dozenten und Wegbegleiter von einzelnen von uns oder sogar von allen: Tom Stromberg, Hans Hollmann, Peter Zadek, Bärbel Jaksch, Angela Winkler, John von Düffel, Manfred Beilharz, Jürgen Drescher, Herbert Fritsch, Bert Neumann, Gabriella Bussacker, Rene Pollesch, Karl Kneidl, Fritz Prätorius… Und die Intendanten, Dramaturgen und sonstigen Mitarbeiter der Theater, an denen wir bereits gearbeitet haben…
Und welche sind das?
2008
November. „die letzte sättigung“ Bar 5 Ziegen Berlin. 7 Gänge Menu zu den 7 Kardinaltugenden. Konzeption und Umsetzung Laurent Gröflin, Christian Hansen. Mit: Daniel Bachmann, Nikolaus Firmkranz, Baptiste Janon.
2009
Januar. „Hoffnung“ Zimmertheater Tübingen. Text/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Mit: Nicole Schneider, Endre Holeczy.
Februar. „Recht so?!“ Raum 33 Basel. Regie: Juliane Schwerdtner, Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Mit: Richard Henschel
Mai. „Yes my love“ YES-Bar Berlin. Eine Liebesperformance. Konzeption: Laurent Gröflin, Christian Hansen. Moderation: Christian Hansen, Richard Henschel
Juni. „beruhigt euch!“ LOFFT Leipzig. Text/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Jörg Zysik, Mit: Patrick Gusset
Juni. „was tun bei schräglage?“ K 15 Festival, Schauspielhaus Bochum. Konzeption: Laurent Gröflin, Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Jörg Zysik, Mit: Larissa Breidbach, Susanne Kreckel.
September. „Othello – Ich bin nicht, was ich bin“ Treibstoff Theatertage Basel, Theater Roxy Basel. Konzeption: Patrick Gusset, Laurent Gröflin, Regie: Laurent Gröflin, Musik: Patrick Gusset, Mit: Patrick Gusset und The broken Flowers. Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis.
Oktober. „demain, n’est-ce pas“ le brass Brüssel. In Zusammenarbeit mit intithéatreinti. Autor/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Licht: Grégory Rivoux, Übersetzung: Christiane Gerten, Mit: Pierre-Paul Constant, Baptiste Janon, Didier Poiteaux.
2010
März. „Robinson Crusoe – rmxd by Lumpenbrüder“ Zimmertheater Tübingen. Text/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Mit: Endre Holéczy, Moritz Peters.
Juni. „save our souls“ sophiensaele Berlin und Kaserne Basel (Premiere im September). Text/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Mit: Yoshii Riesen, Daniel Bachmann, Stephan Brunner, Patrick Gusset.
Oktober. „tägliche freiheit“ LOFFT Leipzig. Text/Drmaturgie: Chrisitan Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühen/Kostüme: Jörg Zysik, Mit: Franziska Fuhrmann, Tammo Winkler.
2011
März. „Im Wald stehen – ein Robin Hood Versuch“ Zimmertheater Tübingen. Text/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Jörg Zysik, Mit: Endre Holéczy, Richard Henschel
Mai. „Quo Vadis Gostenhof?“ Gostner Hoftheater Nürnberg. Konzeption: Christian Hansen, Laurnt Gröflin, Texte/Dramaturgie: Christian Hansen, Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: Chasper Bertschinger, Mit: Claudia Endres, Schno Kadir, Theresa Plank, Christin Wehner, Omer Chousein, Gymmick, Thomas Stang, Tammo Winkler, Thomas Witte, Theater Salz und Pfeffer.
2012
Februar. „Mensch. Ein manipuliertes Konstrukt(AT)“ Theater Roxy Basel. Konzept: Laurent Gröflin, Patrick Gusset. Regie: Laurent Gröflin, Bühne/Kostüme: N.N., Mit: Patrick Gusset
Mai. „Richard II“ von William Shakespeare. Zimmertheater Tübingen. Regie: Laurent Gröflin, Dramaturgie: Christian Hansen, Bühne/Kostüme: N.N., Mit: Nicole Schneider, Lucie Mackert, Robert Arnold, Endre Holéczy, Johannes Karl
Kann man denn mal was von Euch sehen?
Klar, kommt vorbei wenn was läuft. Gern schicken wir Spieltermine zu. Bringt aber aus Erfahrung wenig, weil die Zeit dann doch meist zu knapp ist, um für einen Abend durch die Republik zu reisen. Das Einfachste: Wir kommen vorbei, machen eine kleine Produktion, dann könnt ihr euch die angucken und entscheiden, ob wir nochmal kommen sollen. Gut, gell?
DVDs sind natürlich vorhanden. Aber wer will schon Theater auf dem Fernseher gucken.
Warum sehen die Produktionen so unterschiedlich aus?
Weil die Form dem Inhalt folgt. Wir stülpen nicht willkürlich einmal für gut Befundenes über sämtliche Themen, Materialien und Stücke, die da folgen. Das bringt mit sich, dass der Wiedererkennungsfaktor der Form nicht so hoch ist, wie es marktwirtschaftlich vielleicht empfehlenswert wäre. Klare Haltungen und der Einsatz für das, worum es sich wirklich dreht, stehen im Vordergrund.
Macht Ihr nur Theater die ganze Zeit?
Nein. Auch Lesungen, Filme, Ausstellungen, Konzerte und Performances. Außerdem Kletterpartien, philosophische Reisen und Doppelkopfturniere. Was wir darüber hinaus noch gerne machen: gerne beim Bier, wo wir dann auch erzählen, warum wir Lumpenbrüder heißen.
Warum gibt’s bei Euch eigentlich nur kahlrasierte Männer? Seid ihr schwule Nazis / militante Sexisten?
Das mit den Haaren ist ein biologisches Problem. Genetik und so. Und weil wir allesamt nicht aussehen wollen, wie Guildo Horns privater Streichelzoo, müssen die Restfusseln eben ab. Auch wenn wir dadurch womöglich etwas martialischer aussehen, können wir immer noch ganz passabel denken und urteilen. Wirklich.
Dass die Geschlechterquote nicht ausgeglichen ist, ist ganz einfach Zufall.Sie dürfen sich mit Vergnügen an alle Damen wenden, mit denen wir und die mit uns bisher gearbeitet haben, um zu erfahren, dass sie es nicht mit einem verkappt chauvinistischen Altherrenballett zu tun kriegen würden. Wir sind aufgeklärte Jungs, die mehr davon halten, Leute nach persönlichen Kriterien auszuwählen, als nach geschlechtlichen. Das hat – absolut genderkompatibel – zur erhöhten Männerquote geführt. Frieden?
Woher kommen die Ideen für Eure ganzen Produktionen?
Lassen wir mittlerweile kostengünstig in Indien produzieren. Und bei Ihnen so?
An wen können wir uns wenden, wenn wir Euch näher kennen lernen wollen?
Da ist ein Link oben rechts. Kontakt. Da geht was.
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